Mallorcaurlauber gelten als der neuer Feind in der Coronakrise, seitdem die Lieblingsinsel der Deutschen nicht mehr auf der Liste der Risikogebiete steht. Die Coronazahlen fallen stetig, der Inzidenzwert ist deutlich niedriger als in unserem eigenen Land. Und doch sorgte genau diese Meldung, dass der Mallorcaurlauber als Feind in der Coronakrise betrachtet wird. Die Presse überschlug sich mit Artikeln, dass man jetzt wieder nach Mallorca reisen darf. Dabei lässt sie jedoch wichtige Punkte aus. Die Empörung wurde durch die eher unsachliche Berichterstattung in die Höhe getrieben. Wer unter einem der Artikel sagte, dass er einen Flug buchen wird, der wurde kritisiert und übel beleidigt. Doch ist der Mallorcaurlauber wirklich ein Pandemietreiber. Und was ist eigentlich mit all den anderen Urlaubsgebieten?


Durfte man vorher wirklich nicht nach „Malle“ fliegen?

Diese Frage stellt sich angesichts vieler Schlagzeilen und Kommentare in den sozialen Netzwerken. Die Menschen ärgern sich darüber, dass man jetzt plötzlich wieder nach „Malle“ fliegen darf, aber hier alles still steht. Dabei durfte auch schon vorher nach Mallorca und in andere Urlaubsgebiete geflogen werden. Selbst dann, wenn diese noch als Risikogebiet galten. Nur sind für Ziele, die auf der Risikoliste stehen, die Auflagen bei Rückkehr strenger. So manch einer ist dadurch von der anschließenden Quarantänepflicht abgeschreckt worden. Aber eben nicht jeder. Die Kanaren sind mittlerweile beispielsweise wieder Risikogebiet. Dennoch haben viele Menschen dort ihren Weihnachtsurlaub verbracht. Aktuell bieten sowohl TUI Cruises als auch AIDA Cruises Kreuzfahrten von den Kanaren aus an. Und diese werden von vielen Menschen wahrgenommen. Großes Presseecho oder gar wüste Beschimpfungen gab es dafür bisher noch nicht. Es besteht und bestand kein Reiseverbot. Jeder kann überall hinfliegen, wo die Einreise gestattet wird. Diese Tatsache scheint vielen Menschen aber überhaupt nicht klar zu sein. Durch die Presseberichte, aber auch durch Aussagen von Politikern selber entstand viel mehr der Eindruck, diese hätten sich erst jetzt hingestellt und die Erlaubnis zum Verreisen gegeben.


Viel Populismus – wenig Ballermann

Schlagzeilen, die vor Ballermann als zweites Ischgl warnen sind entweder dem Populismus oder einfach mangelndem Wissen zuzuordnen. Eine reale Gefahr dieses Szenarios besteht jedenfalls nicht. Während in Ischgl zu Anfang der Pandemie noch gefeiert wurde, als gäbe es kein Corona, kann es mit den heutigen Auflagen überhaupt kein zweites Ischgl geben. Für den Mallorcaurlauber herrschen nämlich teilweise strengere Regeln als in Deutschland. Die Hygienekonzepte der Hotels und Gastronomiebetriebe sind hervorragend. Trotz der verhältnismäßig hohen Buchungen haben Urlauber die Insel noch gefühlt für sich alleine. Abstand halten auf Mallorca und an vielen anderen Urlaubsorten ist derzeit leichter als im heimischen Supermarkt oder den öffentlichen Verkehrsmitteln. Und wer denkt, dass aktuell am Ballermann Party wie zu alten Zeiten gemacht wird, der ist einfach nur schlecht informiert. Denn die berühmten Lokalitäten dort befinden sich immer noch im Lockdown, es gibt Alkoholverbote und ab 17 Uhr müssen Bars und Restaurants schließen .Hinzu kommt eine kürzlich veröffentlichte Studie des RKI, die besagt, dass der normale Pauschaltourist kein Pandemietreiber war. Es ist also reine Stimmungsmache und Hetze, wenn Politiker oder Medien vor Superspreader-Events auf Mallorca warnen.


Testpflicht vor Rückkehr wirkt willkürlich

Hätte man all diese Fakten berücksichtigt und wäre sachlich an das Thema rangegangen, dann hätte man sich die große Empörungswelle wohl sparen können. Und damit auch die plötzlich erlassene Testpflicht für Flugreisende noch vor dem Rückflug. Denn die wurde kurzerhand zur Beruhigung der aufgebrachten Daheimgebliebenen aus dem Hut gezaubert. Nun muss sich jeder, der per Flugzeug aus dem Ausland zurückkommt, vorher einen Covid 19 Test unterziehen. Nur mit negativem Ergebnis darf eingereist werden. An sich mag dieses Vorgehen zum Schutz und zur Eindämmung nicht unbedingt verkehrt sein. Aber die Umstände und die Beschränkung rein auf Flugreisen lässt diese Maßnahme eher nach Willkür aussehen. Zumal die Reisenden praktisch aus einem Nichtrisikogebiet in ein Risikogebiet reisen und nicht umgekehrt. Wer jetzt meint, dass mit der Testpflicht die Masse beruhigt ist und ein Urlauber nicht mehr Feindbild ist, der liegt falsch. Trotz dieser hohen Sicherheit und der Tatsache, dass der Alltag hier viel gefährlicher in Bezug auf Corona ist, bleiben Menschen, die sich einen Urlaub gönnen, ein Coronafeindbild. Diese Tatsache ist weder gerecht noch gerechtfertigt. Medien und Politiker haben hier leider einen weiteren Keil zwischen die eh schon sehr gespaltene Bevölkerung getrieben.